10.01.2013

Die Salzpipeline muss an die Nordsee

Grüne wollen mit allen Mitteln Abwasserrohr an die Oberweser verhindern / Abgeordneter Christian Meyer will in Niedersachsen Weg für Entsorgung in Nordsee frei machen

Lauenförde. Die Grünen werden weiter politisch alle Register ziehen, um die Einleitung von salzhaltigen Abwässern in die Oberweser zu verhindern. Das wurde in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung deutlich, zu der die Lauenförder Grünen am Dienstagabend in das Gasthaus Zur Post eingeladen hatten. Landtagsabgeordneter Christian Meyer aus Holzminden und Grünen-Sprecher in der Samtgemeinde Boffzen, Gerd Henke, informierten die Gäste dabei über die neuesten Pläne des Kasseler Düngemittelproduzenten Kali+Salz, ein Abwasserrohr von Philippsthal an der Werra bis an die Oberweser zu bauen.
Dass die Grünen bei ihrem Ziel, ein solches Projekt zu verhindern, nicht alleine stehen, wurde  allein schon an der großen Resonanz auf die Veranstaltung deutlich. Mehr als 60 Gäste, darunter Naturschützer, Fischereivertreter aus den Kreisen Höxter und Holzminden sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass auch sie die Weser wieder in einem ökologisch guten Zustand sehen wollen.
Dass der Fluss davon derzeit allerdings  noch weit entfernt ist, machte der naturschutz- und agrarpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Hannover, Christian Meyer, eindrucksvoll klar. Denn noch immer ist es Kali+Salz erlaubt, bis zu 2500 Milligramm Salz pro Liter Wasser in den Weserzufluss Werra am Pegel Gerstungen zu kippen. Bis 2020 soll diese Menge auf 1700 Milligramm nach neusten Vorgaben des Landes Hessen reduziert werden. Die Jahresmenge will K+S von derzeit 14 Millionen Kubikmeter auf sieben Millionen halbieren. Christian Meyer indes ist skeptisch, dass dies gelingen wird. Denn ein anderer Entsorgungspfad für die Salzwässer dürfte bald verschlossen werden: die Versenkung in den Untergrund. Das bislang praktizierte Verfahren führt dazu, dass an einigen Orten der Kali-Produktion das Salz aus der Tiefe wieder an die Oberfläche tritt und das Grundwasser verseucht.
Die Pläne, das salzige Problem von der Werra einfach an die Oberweser zu verlagern, hält Meyer für keine Alternative. „Das würde einen zusätzlichen Salzschock für den Fluss an der Stelle der Einleitung bedeuten,“ sagt Meyer, „das wäre der ökologische Kollaps für die Weser.“ Der Landtagsabgeordnete wies darauf hin, dass das einstmals vielfältige Leben in Werra und Weser dramtisch zurückgegangen ist. So sind von den einstmals 34 Fischarten heute nur noch 19 übrig geblieben. Die Fischmasse ging gar um 90 Prozent zurück.
Für die Grünen ist eine Salzwasser-Pipeline zur Nordsee die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen. „Dem Dax-Konzern Kali+Salz sollte es möglich sein, eine solche Investition auch zu stemmen“, sagt Gerd Henke. Schließlich habe der Konzern allein 2011 einen Gewinn nach Steuern von knapp 700 Millionen Euro gemacht. Henke wies darauf hin, dass der politische Widerstand überall an der Oberweser gegen die Salzeinleitung groß ist. „Es gibt inzwischen kaum noch eine Kommune, die nicht klar Stellung dagegen bezieht.“ Zumal auch der 80 hektar große Salzsee, im Oberweserraum, in den die Salzbrühe zunächst eingeleitet werden soll, „auf nichts anderes als pure Ablehnung stößt“, so Henke.
Doch die Grünen sind zuversichtlich, dass sich die Situation in Niedersachsen nach der Landtagswahl am 20. Januar umkehrt. Die schwarz-gelbe Landesregierung, die mit ihrem bisherigen Veto gegen eine Nordsee-Pipeline zu den großen Verhinderern einer echten Lösung gehörte, steht möglicherweise vor der Ablösung. Christian Meyer, der für einen Ministerposten in einer neuen rot-grünen Landesregierung gehandelt wird, lässt keinen Zweifel daran, dass die Grünen alles für eine Nordsee-Pipeline tun werden. Meyer ist überzeugt, dass diese Lösung letztlich auch das richtige für den Erhalt der 4000 Arbeitsplätze in der osthessischen Kali-Industrie ist. „Um diese Arbeitsplätze auch in Zukunft sicher zu machen, sollte Kali+Salz für eine saubere und nachhaltige Produktion sorgen. Meyer: „Nur so ist zu garantieren, dass diese Produktion auf Dauer krisenfest bleib.“

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