04.02.2011

"25 Hühner pro Quadratmeter sind Tierquälerei"

Grüne wollen mit Antrag im Kreistag Massentierhaltung bei Dielmissen verhindern

Mit einem Antrag an den Kreistag wollen die Bündnisgrünen den Bau von großen Massentierhaltungsanlagen im Landkreis stoppen. Anlass ist das Verfahren für eine Hühnerhaltung von fast 80.000 Hühnern zwischen Lüerdissen und Dielmissen, gegen das viele Anwohner protestieren. Es wäre die erste größere Tierfabrik im Landkreis, nachdem der Plan für eine Ziegenmassenhaltung bei Polle von einer knappen Kreistagsmehrheit im Sommer letzten Jahres gestoppt wurde. Eine Bürgerinitiative hatte in wenigen Tagen mehrere Hundert Einwendungen gegen die auch aus Sicht der Grünen "Tierquälerei, Gesundheitsgefährdung und Umweltbelastung" gesammelt.

Der grüne Fraktionsvorsitzende im Kreistag Christian Meyer, der auch persönlich eine umfangreiche Einwendung geschrieben hat, weist auf die Gefahren für die Region hin: "Laut Bauantrag soll noch nicht mal ein voller Arbeitsplatz geschaffen werden, aber der Tourismus an der Draisinenstrecke wird geschädigt, gleichzeitig ist eine Gefährdung der bäuerlichen Landwirtschaft und ein massiver Wert- und Imageverlust für die Grundstücke in der Nähe der Anlage zu befürchten." Nach Angaben der Grünen sind bei der industriellen Tierhaltung keinerlei Geruchs- oder Keimfilter vorgesehen und nach neuen Studien von niedersächsischen Ärzten erhebliche Gesundheitsgefahren durch Bioaerosole und Krankheitskeime zu befürchten sind. Diese für den Menschen gefährlichen Keime verbreiten sich über hunderte von Metern. Der Landkreis Emsland habe daher die Auflagen für den Keimschutz verschärft und damit einen faktischen Genehmigungsstopp erreicht. In ihrem Antrag fordern die Grünen nun die Vorgaben des Landkreises Emslandes und der Region Hannover für einen verbesserten Keim- und Brandschutz zu übernehmen. Auch das Land Niedersachsen hatte in einer von den Grünen eingeforderten Befragung die höheren Auflagen bei Massentierhaltungsanlagen für rechtlich zulässig gehalten und detaillierte Hinweise zum Brandschutz gegeben, die den Bau von Tierfabriken erheblich verteuern würden, aber den einzelnen Landkreisen überlassen, ob sie sie für sich anwenden wollen. Meyer: "Wir sollten diese neue Regelung anderer Landkreise übernehmen und so ein Höchstniveau beim Schutz der Anwohner und der Umwelt erreichen. Dieser hat Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen an Billigproduktion." Daher soll der Landkreis Holzminden ein unabhängiges Gesundheitsschutz- und Brandschutzgutachten sowie Tierrettungspläne vom Antragsteller einfordern. "Es kann nicht sein, dass sich der Landkreis als Genehmigungsbehörde einseitig auf die Seite des Investors stellt", so Meyer.

Die Grünen lehnen gerade nach dem Dioxinskandal, aber auch nach diversen Untersuchungen zur Qualhaltung von Hühnern, solche Massentierhaltungsanlagen generell ab und wollen nur noch eine art- und umweltgerechte Landwirtschaft fördern. Die jetzigen Tierschutz- und Umweltauflagen reichen dafür nicht aus. "25 Hühner dichtgedrängt pro Quadratmeter führen zu Fussballenentzündungen, Federpicken und erfordern einen enormen Antibiotika- und Medikamenteneinsatz, Die Parteien im Kreistag müssen sich nun ähnlich wie bei der Ziegenfabrik positionieren. Stehen sie auf der Seite der Tierquälerei oder auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger, die diese Anlagen nicht wollen", meinte Meyer, der den Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung am 28. Februar 2011 setzen will.

zurück

URL:https://www.gruene-holzminden.de/themen/archiv/expand/336233/nc/1/dn/1/