31.10.2010

Grüne fordern weiter IGS für den Kreis Holzminden


Schulpaket der Landesregierung "Mogelpackung"

Als "enttäuschend und eine scharfe Missachtung des Elternwillens" hat der grüne Landtags- und Kreistagsabgeordnete Christian Meyer, die von der schwarz-gelben Landesregierung vorgestellten Veränderungen zur Schulstruktur bezeichnet. Er schloss sich damit der deutlichen Kritik aller Lehrerverbände, des Landeselternrates und der Oppositionsparteien von SPD, GRÜNEN und Linken an.

Meyer: "Der große Wurf hin zu einem mehr integrierenden Schulsystem mit guten Schulen für den ländlichen Raum ist das nicht. Die bestehenden, bereits jetzt oft zusammenarbeitenden Haupt- und Realschulen bekommen lediglich ein neues Türschild mit dem falsche Assoziationen weckenden Begriff Oberschule. Gleichzeitig werden die von vielen Eltern gewollten Integrierte Gesamtschulen im ländlichen Raum ausgebremst." Die Grünen erinnerten daran, dass sich bei der Elternbefragung in Bodenwerder über 80 Prozent der beteiligten Eltern für eine IGS ausgesprochen hatten und auch aus Stadtoldendorf-Eschershausen der Wunsch nach einer Gesamtschule mit gymnasialem Angebot geäußert werde.

"Es ist nur mit Ideologie gegen den Elternwillen zu erklären, dass Oberschulen künftig zweizügig geführt werden können, während die ebenfalls alle Abschlüsse anbietenden Integrierten Gesamtschulen für 14 Jahre eine Fünfzügigkeit nachweisen sollen", sagte Meyer. „ Die sogenannte „Oberschule" erweist sich deshalb als ein Gesamtschulverhinderungsprogramm und Mogelpackung, denn eine Integrierte Gesamtschule (IGS) könnte auch als kleine Schule erfolgreich arbeiten", kritisiert das grüne Mitglied im Kreisschulausschuss Peter Ruhwedel. Vor allem über den inhaltlichen Rahmen der neuen Schulform fehle jegliche Aussage. Man müsse befürchten, dass viele gute Projekte, die in den einzelnen Schulen schon entwickelt worden sind, plötzlich in einer zusammengefassten Oberschule auf der Strecke blieben. Auch zweifeln die Grünen an der Wettbewerbsfähigkeit der zu erwartenden kleinen, einzügigen Gymnasialklassen in den ländlich abgelegenen Oberschulen. Das Beispiel Campe-Gymnasium zeige, dass ein qualifiziertes Fächerangebot mit ausreichender Lehrerausstattung schon bei größeren Schulen in der Vergangenheit oft nicht funktioniert habe. Peter Ruhwedel: „Der geplante einzügige Gymnasialzweig an der „Oberschule" ist „reiner Populismus" und entspricht in keiner Weise dem Anforderungsprofil an ein gutes Abitur."

Die Grünen kritisierten den Auftritt von Minister Althusmann im Landkreis Holzminden. Er mische sich in kommunale Belange ein. Mit seinen Äußerungen zu möglichen Standorten von Oberschulen wolle er anscheinend "Schulschließungen und -Umbenennungen von oben" anordnen. "Noch aber entscheidet der Kreistag und die Gemeinden über die Standorte der Schulen in einem demokratischen Beteiligungsprozess", betonten Ruhwedel und Meyer.

Auf Unverständnis stoßen bei den Grünen auch die Äußerungen der FDP-Kreistagsfraktion: „Man muss es als Desinformation der Öffentlichkeit ansehen, wenn trotz der vorliegenden Zahlen behauptet wird, dass die Standorte Bevern und Eschershausen als Standorte einer Oberschule teilweise sogar noch mit gymnasialem Angebot in Betracht kommen." Die Grünen mahnten auch die Kreistagsfraktionen von CDU und UWG, sich nicht zu früh auf eine neue Schulstruktur für den Kreis festzulegen. "Tabus welche Schulen verändert werden sollen, darf es nicht geben." Viele Regeln - insbesondere zu den Oberschulen aber auch zu den Gesamtschulen - seien noch unklar. Die Landesregierung habe z.B. angekündigt, von der starren Fünfzügigkeit bei Integrativen Gesamtschulen abgehen zu wollen und im ländlichen Raum auch vierzügige IGSen per Ausnahmeerlass zu lassen zu wollen. Die genauen Rahmenbedingungen, wann und wo solche Ausnahmen möglich seien, würden auf spätere Termine verschoben. Dabei würde gerade eine von den Kommunalen Spitzenverbänden, dem Landeselternrat und der Lehrergewerkschaft GEW geforderte Senkung der Hürden für Gesamtschulen, doch noch die Chance für von den Eltern gewollte Integrative Gesamtschulen z.B. in Bodenwerder, Stadtoldendorf und Delligsen möglich machen. Meye: "Diese Gelegenheit dürfe man nicht durch vorzeitige Festlegungen verspielen. Außerdem laufe noch das "Volksbegehren für gute Schulen" bis zum Mai 2011, dass ebenfalls vorsehe die Hürden für Gesamtschulen zu senken, das Abitur wieder nach 13 Jahren zuzulassen und Volle Halbtagsgrundschulen zu erhalten. Bislang haben nach Angaben der Organisatoren bereits über 130.000 Menschen dafür unterschrieben und die erste Hürde mit gutem Erfolg genommen. "Das könnte die Schullandschaft grundlegend positiv verändern, wenn die Wählerinnen und Wähler die Schulpolitik selbst in die Hand nehmen", meinte Meyer. „Anderenfalls müsse nach der nächsten Landtagswahl der Elternwille und die kommunale Gestaltungsfreiheit ohne Blockaden zur Richtschnur in der Schulpolitik werden und nicht Ideologie gegen Gesamtschulen", kündigte der stellv. Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen an.

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