Grüne fordern Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und von Hausärzten

Gesundheitsversorgung im Landkreis auf dem Prüfstand

Mit der Gesundheitsversorgung im Weserbergland beschäftigten sich die Grünen und zahlreiche Interessierte in einer Online-Konferenz auf Einladung des Landtagsabgeordneten Christian Meyer. Der Mangel an Fachärzten, die Überalterung, aber auch die Situation in Krankenhäusern und Pflege waren Themen der Diskussion anknüpfend an den über 300 Seiten starken Abschlussbericht der parteiübergreifenden Expertenkommission des Landtags „zur Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung in Niedersachsen“. 

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion Meta Janssen-Kucz wies daraufhin, dass sich die Arbeit der 2018 vom Landtag eingesetzten Kommission durch Corona deutlich veränderte. Standen am Anfang Einsparungen und Schließungen von Krankenhäusern wegen Überkapazitäten im Vordergrund der Debatte, ging es am Ende um mehr dezentrale Strukturen und eine Stärkung der medizinischen Versorgung gerade auch im Ländlichen Raum. "Besonders die Hausärztinnen und Hausärzte gehören gestärkt und von Regressforderungen sowie Bürokratie entlastet. Ihre hohe Akzeptanz sieht man bei den Impfungen", sagte Janssen-Kucz. 

Christian Meyer wies daraufhin, dass die Region durch die Privatisierung und spätere Schließung des damaligen Kreiskrankenhauses in Stadtoldendorf schwere Einbußen in den medizinischen Versorgungsstrukturen bekommen hat. Gerade im Raum Eschershausen-Stadtoldendorf sind die Wege zum nächsten Krankenhaus sehr weit geworden. Die Grünen waren die einzige Partei im Kreistag, die gegen den Verkauf des Charlottenstifts stimmten und sehen sich heute in ihrer Kritik an der Krankenhausschließung bestätigt.

Der grüne Bürgermeisterkandidat Alexander Titze wies auf den erfolgreichen Antrag seiner Fraktion im Stadtrat für ein eigenes Corona-Testzentrum hin: „Erst wurden wir belächelt, jetzt entsteht es Innenstadtnah. Wenn ein Wille ist, ist auch ein Weg. “

Auch die Gesundheitsvorsorge und Ausstattung der Gesundheitsbehörden bedingt nicht nur pandemiebedingt höhere Aufmerksamkeit. Die Grünen wollen auch eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsstrukturen in der Pflege. „Niedersachsen ist Schlusslicht bei den Pflegesätzen. Das muss sich ändern!“, so Meyer. 

Wie mehr junge Mediziner in den Ländlichen Raum kommen, war auch Gegenstand der Landtagskommission.

Dr. Anja Horn, Allgemeinmedizinerin aus Holzminden, betonte das sie ihre Arbeit gerne mache und überhaupt nicht bereut habe vor über 15 Jahren mit ihrem Mann eine Praxis in Holzminden übernommen zu haben. Sie wies aber auch auf die hohe Altersstruktur unter den Ärzten hin. In Holzminden sei nur ein Niedergelassener unter 50 Jahren, mehr als die Hälfte sei über 60. Von finanziellen Anreizen für Jungmediziner verspricht sich Horn nicht viel: „Die Medizinstudenten werden später gut verdienen und möchten selbst entscheiden, wo sie später praktizieren. Die Rahmenbedingungen für gute Arbeit müssen stimmen.“ Konsens war die von der Kommission geforderte Aufstockung der Medizinstudienplätze in Niedersachsen. Ob eine von SPD und CDU geforderte Landarztquote weiterhilft, gingen die Meinungen auseinander. 

Der grüne Bundestagskandidat Helge Limburg, der in der Sozialstation in Bevern seinen Zivildienst gemacht hat, nahm die hohe Bedeutung medizinischer Versorgung auf dem Lande mit in seinen Wahlkampf nach Berlin. Denn viele Gesundheitsgesetze werden auf Bundesebene gemacht. „Gesundheit verdient mehr Wertschätzung auch finanziell. Gerade Pflegekräfte und Krankenhauspersonal muss besser bezahlt werden und gute Pflege und Betreuung auch honoriert werden. Einsparungen am Personal durch den enormen Kostendruck gehen zu Lasten der Qualität. Corona zeigt uns wie wichtig ein gut ausgestattetes Gesundheitssystem in Deutschland ist.“

 



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